Andacht

Monatsspruch September 2019

Jesus Christus spricht: Im Himmel wird mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte.           Lukas 15,7

 

Liebe Leserin, Lieber Leser!

 

Vor Jahrzehnten wurde der Film „Die Sünderin“ in deutschen Kinos gezeigt und es ging ein Aufschrei durch unsere Lande. Der Skandal war riesengroß.

Seit geraumer Zeit geht wieder eine eigenartige Erschütterung durch unser christlich geprägtes Land. Skandale allerorten und damit verbunden auch eine gehörige Portion Verunsicherung unter den Menschen. Selbst die Kirche ist vor Skandalen nicht sicher und das macht die Menschen unsicher, ob denn nicht einmal bei der Kirche unser Geld sicher ist. Schuldvorwürfe und Kirchenaustritte sind die Folge. Um es vorweg zu nehmen, hier ist nicht der Ort, mit dem Finger auf andere zu zeigen, vielmehr ist hier der Ort, zu fragen, was verstehen wir unter Sünde und wo stehe ich in dieser Diskussion.

Zu Jesus kamen die Pharisäer und Schriftgelehrten, die für das Neue Testament exemplarischen „Selbstgerechten“. Sie ärgerten sich über Jesu Verhalten, der sich zu den Sündern gesellte und gerade diese spüren ließ, dass er gekommen ist, um zu suchen, was verloren ist.

Sünde meint im biblischen Sinne das gestörte Verhältnis des Menschen zu Gott. Also überall dort, wo gegen Gottes Gebote verstoßen wird, herrscht die Sünde. Das bekannteste Beispiel aus der Bibel ist der Zöllner Zachäus. Er hatte die Menschen belogen und betrogen. Er hatte keine Selbstzweifel bei dem, was er tat und mehrte seinen Reichtum von Tag zu Tag. Und gerade zu ihm ging Jesus hin und handelte sich wieder Pharisäerschelte ein. Aber genau darum ging es Jesus. Dieser eine war ihm so wichtig, dass er ihn zum Umdenken bewegt hat und den Lebensweg des Zachäus entscheidend verändert hat.

Wichtig ist aber, nicht mit dem Finger auf die großen Gauner unserer Zeit zu zeigen, sondern uns selbst zu überprüfen, wie unser Lebensweg verläuft und wo wir gegen Gottes Gebote verstoßen. Es gibt keine lässlichen Sünden, also leichte Sünden im Vergleich zu schweren Sünden. Diese Unterscheidung lässt sich auch nicht mehr machen zwischen einem Mord und einem Steuerbetrug.

Erwachsene sollen Vorbilder sein und unsere Kinder oder Enkel lernen von uns, was Recht und Unrecht ist. Dies ist nicht allein Aufgabe der Schulen oder Kirchen. Wenn ich dies erkenne, zeige ich mit dem Finger wieder auf mich selbst und auch ich heiße plötzlich Zachäus. Aber ich muss mich deshalb nicht schämen oder fürchten, denn ich weiß, Jesus geht auch mir nach und behandelt mich wie ein verlorenes Schaf oder ein verlorenes Geldstück. Er sucht mich, bis er mich gefunden hat. Dann wird auch über mich Freude im Himmel herrschen, denn wenn ich meinen Lebensweg verändere, so wie einst Zachäus, dann erkenne ich, dass auch ich ein Sünder bin, aber ich bin nicht verloren.

In diesem Sinne grüße ich Sie herzlich

Ihr

Günther Albrecht