Andacht

Zur Freiheit hat uns Christus befreit. So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen.                                                 Galater 5,1

 

Liebe Gemeindeglieder,

in einem Lied von Marius Müller-Westernhagen heißt es am Ende des Liedes in Auszügen: Freiheit, Freiheit, Ist die einzige, die fehlt. Der Mensch ist leider nicht naiv. Der Mensch ist leider primitiv. Freiheit, Freiheit, wurde wieder abbestellt. Alle, die von Freiheit träumen, Sollen's Feiern nicht versäumen, Freiheit, Freiheit, Ist das einzige, was zählt. Freiheit, Freiheit, Ist das einzige, was zählt.

Dankbar und glücklich stelle ich dabei fest, dass ich in einem Land lebe, in dem ich nicht von Freiheit träumen muss. Aber genauso erschüttert stelle ich fest, dass diese Freiheit, und vielleicht ist es schon ein gerüttelt Maß an Gleichgültigkeit, oftmals missbraucht wird. Rechte anderer werden eingeschränkt, wenn auch nur verbal, auf politischen Versammlungen wird die erste Strophe der Nationalhymne gesungen ohne daran zu denken, welcher Missbrauch mit ihr betrieben wurde. Menschen und Kinder werden missbraucht, auch in den Kirchen, und erst langsam regt sich Widerstand. Sich schämen ist scheinbar nicht mehr modern, ebenfalls demütig sein und letztlich dankbar über alle Freiheit, die ich habe. Aber ich denke immer daran, Freiheit ist nur solange Freiheit, wie sie die Freiheit anderer nicht einschränkt.

Zurück zu Paulus und seinem Wort aus dem Brief an die Galater.

Er hatte diese Gemeinden in Galatien, das im Gebiet der heutigen Türkei lag, gegründet und hatte dort eine Auseinandersetzung mit Petrus, dem Vertreter der judenchristlichen Gemeinde. Petrus wollte, dass sich die Christen in Galatien an alte jüdische Vorschriften hielt und gesetzestreu lebten. Paulus dagegen hatte den Christen gesagt, dass sie nicht durch des Gesetzes Werke gerecht werden, sondern durch den Glauben selbst. Damit biss er bei Petrus auf Granit, der ein Verfechter der alten Lehre war. Durch diese unterschiedliche Sicht der Dinge kam es in Galatien zur offenen Auseinandersetzung zwischen diesen beiden. Paulus hatte den Menschen beschrieben, dass sie nun nicht mehr Werke vollbringen mussten, um vor Gott gerecht zu werden. Er hatte ihnen eindrücklich auseinandergelegt, dass es nicht der Mensch ist, der sich für Gott entscheidet, sondern dass es Gott ist, der sich für den Menschen entschieden hat. Diese grundlegende Veränderung des handelnden Subjektes war für Petrus nicht nachvollziehbar, denn der alte jüdische Glaube verlangte von ihm das tun von Werken, um vor Gott gerecht zu sein. Paulus dagegen beschrieb deutlich, das das tun der Werke niemand gerecht macht, sondern Gott selbst derjenige ist, der den Menschen gerecht spricht. Paulus spricht hier von der Befreiung des Menschen von der Knechtschaft durch das Gesetz. Diese Freiheit hat Gott uns Menschen verschafft, deshalb starb Jesus am Kreuz und die Auferstehung ist die Besiegelung dieser neuen Freiheit. 

Es ist daher eminent wichtig, immer wieder daran zu erinnern, dass wir frei leben können und um es mit Paulus zu sagen, zur Freiheit befreit worden sind. Dies betrachtet Paulus als einen enormen Fortschritt und warnt davor, wieder von alten Verhältnissen zu träumen, denn nichts ist für ihn schlimmer, als wieder in Abhängigkeit und Knechtschaft leben zu müssen. Dafür aber muss ich lernen, auch Verantwortung zu übernehmen, in einer Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern zu leben, die aufeinander angewiesen sind. Dafür darf ich aber auch erkennen, dass Christus diesen Lernprozess begleitet und alle Wege unseres Lebens mit uns geht.

 

Mit diesen freiheitlichen Gedanken grüßt Sie herzlich

 

Ihr

Günther Albrecht