Andacht

Monatsspruch August 2020

 

„Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele.“

 Psalm 139, 14

Liebe Leserin, lieber Leser,

seit Anfang Juni weiß ich eigentlich schon, dass ich die Andacht für die Ausgabe dieses Gemeindebriefes schreiben soll. Sofort habe ich mir auch die beiden potentiellen Monatssprüche angeschaut, eigentlich um damit – wie man so schön sagt – ein bisschen schwanger zu gehen. Das mache ich immer so und mit der gleichen Regelmäßigkeit landet das Ganze dann auf meinem liebsten Möbelstück, der langen Bank. Jetzt haben wir Ende Juni, aber diesmal war es irgendwie anders: ich habe es nicht verdrängt oder vergessen, sondern regelrecht vor mir her geschoben wie eine Last, weil es mir nicht leicht gefallen ist.

Immer wieder kamen die beiden Verse in mir hoch, der eine, der für den August davon spricht, wie wunderbar alles gemacht ist und der andere im September, der beschreibt, dass Gott in Christus die Welt mit sich versöhnt hat. Und ich habe festgestellt: schuld ist dieses kleine, vermaledeite Virus, das nicht nur seit Mitte März fast alles auf den Kopf gestellt hat, das weltweit mehr als 10 Millionen Menschen infiziert und über eine halbe Millionen Menschenleben gekostet hat. Es hat Angst und Schrecken verbreitet, seine Existenz wurde geleugnet, es kostete Arbeitsplätze und Existenzen, es legte den kompletten Schulbetrieb lahm und gefährdete ganze Volkswirtschaften und wir haben die Folgen dieses nie für möglich gehaltenen Wahnsinns noch längst nicht überwunden.

Und jetzt kommen die Ferien, die Urlaubszeit, die Erholung, auf die man sich so lange gefreut hat – und auch das ist diesmal ganz anders. Die Reisebranche versucht zu retten, was zu retten ist, geplante Urlaube wurden storniert oder nach Deutschland verlegt, wo jetzt alles ziemlich überfüllt ist und seit 26 Jahren ist es das erste Mal, dass wir nicht mit den Jugendlichen unserer Gemeinden im Sommer weg fahren können. Auch das war für alle Beteiligten nicht einfach.

Und jetzt will mir dieser SARS-CoV-2-Gummiball mit Noppen auch noch den Zugang zu Jahrhunderte alten Zusagen Gottes verbauen, die mir immer wichtig waren, die ich geglaubt und die mich getragen haben? Ja, es ist hoch infektiös, ausgesprochen ansteckend, nicht nur für den Körper, sondern auch für unsere Seelen. Das ist im Sommer eigentlich immer mein Wunsch für alle gewesen, dass es uns gelingt, diese sprichwörtlich baumeln zu lassen, den Kopf frei und Platz zu bekommen für andere Gedanken – vielleicht auch nur für diesen einen: Ich bin wunderbar gemacht und es gibt immer noch Wunder, die mich zum Staunen bringen.

Auch wenn unsere Augen das momentan nur schwer entdecken können, spüren wir doch die Sehnsucht in unseren Herzen und Seelen. Der Wunsch, dass da etwas ist, wonach es sich zu suchen und für das es sich zu kämpfen lohnt: ein noch so kleines Pflänzchen, ein Lichtstrahl, aufkeimende Hoffnung! Die Bereitschaft zum Verzicht für unser aller Weltklima, die Überwindung von Rassismus und Hass, ein gutes Wort, vielleicht auch „nur“ die Faust in der Tasche … und so schwer es auch mir manchmal fällt: in dem anderen Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Hautfarbe, Religion oder was auch immer in erster Linie ein wunderbares Geschöpf Gottes zu sehen.

Wenn uns Corona eines gelehrt hat, dann das: Das Virus macht keinen Unterschied! Wir haben nur diesen einen Planeten, auf dem wir alle Mensch sein dürfen, nur diese eine Erde, die keinem von uns und doch uns allen gehört und wir haben nur dieses eine Leben, das uns geschenkt und anvertraut ist –  an sich schon ein unverdientes Wunder.

Und deshalb lasse ich es mir nicht nehmen, von keinem Virus, von Nichts und Niemandem auf der Welt, ihnen und mir das für unsere Seelen zu wünschen: den Blick dafür, dass es immer noch Wunderbares zu entdecken gibt und das Versöhnung möglich ist!

Eine gute Zeit mit Abstand, Disziplin, Rücksicht, Aussicht und ganz viel Hoffnung wünscht

 

Ihr/Euer

Arnd Kretzer

   

   

   

   

   

   

   

   

   

   

   

   





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